Deutlich weniger experimentell als sein Vorgänger, was wohl daran liegt, dass Danny Boyle die Regiearbeit an Nia DaCosta abgegeben hat. Dafür aber reduzierter und fokussierter in den verschiedenen Handlungsfäden.
Alex Garland hat sich dafür entschieden in diesem 2. Kapitel tiefer rein zu zoomen und sich auf die Dynamik zwischen der Schlägerbande Jimmys und Dr. Kelson zu konzentrieren – ohne dabei natürlich den jungen Spike zu vernachlässigen, der sich hier mittendrin befindet.
Als Riesenfan des Meisterwerks „A Clockwork Orange“ von Stanley Kubrick, fühlte ich mich mit der Schlägerbande der Jimmys schnell vertraut. Wenngleich der gezeigte Sadismus in der zentralen Folter-Szene extrem an der Grenze des Erträglichen geht, obwohl ich sagen würde, dass ich schon sehr viel dergleichen gesehen habe. Aber das hier ist wirklich extrem schwer auszuhalten.
Schauspielerisch gibt es auch dieses Mal überhaupt nichts zu meckern. Speziell Ralph Fiennes und Jack O’Connell als Sir Jimmy ragen aus einem durchweg sehr gut besetzten Cast zusätzlich heraus. Allein Fiennes in der extrem abgefahrenen Tempeltanzszene unterlegt mit dem bombastischen Iron Maiden Song zu sehen, lohnt das Eintrittsgeld schon. Aber auch die vielen stillen Momente bieten sehr viel Emotion und tragen die Story.
Und besonders herauszuheben ist, dass wir hier endlich einmal einen Zombie-Streifen erleben, der uns eine neue Evolutionsstufe erzählt. Der Alpha Samson (und zwar in allen Bereichen Alpha!) wird zum Versuchsobjekt von Ralph Fiennes und man verfolgt gebannt die akribische, aber clevere Studienreihe bis zum finalen Akt.
Trotz kleinerer Schwächen im Mittelteil überzeugt ’28 Years Later: The Bone Temple‘ mit mutigen narrativen Entscheidungen und herausragenden Schauspielleistungen. Wer extreme Gewaltdarstellung verträgt und sich auf einen langsameren, charaktergetriebenen Zombie-Film einlassen kann, bekommt eines der interessantesten Genre-Werke der letzten Jahre.

